Das kann die junge Bremer Luft- und Raumfahrt

Die Branche ist eine erfolgreiche Konstante in der Bremer Wirtschaft. Die junge Forscher-Generation baut inzwischen eigene Raketen am Institute of Aerospace Technology.

8. Juni 2018, Sophie Labitzke, BuntenUnBinnen


Am Institute of Aerospace Technology der Hochschule Bremen forschen Studierende im Bereich Luft- und Raumfahrttechnik.


Wie baut man ein Flugzeug? Wie entwickelt man Triebwerke für Raketen? Das erforschen Studenten an dem Institute of Aerospace Technology (IAT) – dem Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrttechnik. Seit mehr als 20 Jahren gibt es das internationale Institut an der Hochschule Bremen. Aktuell forschen und programmieren hier 400 Studenten unterschiedlicher Studiengänge aus dem Bereich Luft- und Raumfahrt. Im Rahmen des Bremer Raumfahrtjahres stellt das Institut die eigene Arbeit vor: Was hier entwickelt wird, kommt später in Flugzeugen oder Raumstationen zum Einsatz. Seit Jahren arbeitet das Institut eng mit Größen der umliegenden Luft- und Raumfahrtindustrie wie Airbus und OHB zusammen.


Raketen, Hybrid-Triebwerke, Satelliten-Simulatoren

Im Rahmen des Bremer Raumfahrtjahres stellt sich das Institute of Aerospace Technology (IAT) vor. Studierende präsentieren aktuelle Forschungen und unterschiedliche Tätigkeitsfelder. Im Eingangsbereich thront der ganze Stolz des Instituts...
...als maßstabsgetreuer Nachbau: Mit der Höhenforschungsrakete AQUASONIC I nimmt das IAT am STERN-Programm des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) teil. Sowohl Nachbau als auch die originale Version wurden selbstständig von den Studenten des Instituts gefertigt.
Christian Dierken (l.) hat die Rakete 2014 gemeinsam mit Kommilitonen geplant und gebaut. 2016 flog sie 6.500 Meter hoch - so wie gewollt. Doch leider schaffte es die AQUASONIC nicht im heilen Zustand wieder zurück zum Team. Deswegen hat das DLR sich auf das Programm STERN II geeinigt. Alexander Scharf (r.) ist zum bau der AQUASONIC II dazugestoßen.
In diesem sogenannten Vertikal-Prüfstand wird das 300-Kilo-schwere Triebwerk der AQUASONIC II vor dem Start im Oktober 2019 getestet. Den komplizierten Bau haben die Studierenden liebvoll "The Beast" getauft. Tests daran können aber nicht in Hochschul-Nähe durchgeführt werden.
Dafür werden vorort kleinere Triebwerke geprüft. Dieses Hybridtriebwerk ist Triebwerken nachempfunden, die in der Raumfahrt zum Start und zur Fortbewegung im All verwendet werden - natürlich nur in kleiner.
Eine Zugabe von Stickstoff und Sauerstoff sorgt dafür, dass das Plexiglas innerhalb des nachgebauten Fünf-Kilo-Triebwerkes schnell verbrennt. Das erzeugt Energie und gibt der Rakete Schub. Noch werden diese Hybridtriebwerke nicht in der Raumfahrt verwendet. Es heißt aber, dass sie eine umweltbewusstere Methode seien, da sie weniger Schadstoffe ausstoßen würden.
Das wohl älteste Forschungsobjekt des IAT: Der MICROSim. Schon vor 20 Jahren hat Joachim Beyer den Satelliten-Simulator mitentwickelt. Es handelt sich dabei um ein Modell eines Kleinstsatelliten, der Inspektionsflüge im Weltraum durchführen sollte.
Der Satelliten-Simulator kann sich mithilfe einer Luftlagerung reibungsfrei fortbewegen. Die Entwicklung war für die ISS gedacht, die sich zu dem Zeitpunkt noch in der Fertigstellung befand. MICROSim wurde aber letztendlich durch ein amerikanisches System ersetzt, das früher fertiggestellt werden konnte.
Was nicht selbst gebaut, oder direkt ausprobiert werden kann, wird im IAT simuliert. Dann kommen beispielsweise Virtual Reality-Brillen zum Einsatz. Beliebige Szenarien können so simuliert werden. Wie hier: Das Schweben innerhalb einer Raumfahrtstation.
Auch der Landeanflug auf New York muss simuliert werden. Diesen Flugsimulator bauen Studierende der Hochschule Bremen regelmäßig um. Das Cockpit besteht aus Originalteilen einer Boeing 737.

Joachim Beyer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Labor für Luft- und Raumfahrttechnik, arbeitet seit mittlerweile 21 Jahren an dem Institut. Er blickt der Zukunft des Standortes Bremen im Bereich Luft- und Raumfahrttechnik positiv entgegen. "Wir haben ja nun in Bremen nicht mehr viel. Mit der Schifffahrt ist es nicht mehr so prickelnd in Bremen, mit dem Fischfang ist es nicht mehr so prickelnd, Bremer Bier wird auch nicht mehr gebraut – was haben wir denn noch hier in Bremen? Werder Bremen und die Raumfahrt, oder?"


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